Angstpatienten

Angstpatienten haben nichts zu befürchten

Aus unserer langjährigen Praxiserfahrung wissen wir, dass Zahnarztangst ein weit häufigeres Problem darstellt, als allgemein angenommen. Bohrergeräusche, die sterile Umgebung einer Zahnarztpraxis oder schlechte Erfahrungen bei der Zahnbehandlung führen bei vielen Menschen zu Angstgefühlen - meist ist das Ergebnis, dass der Zahnarzt erst aufgesucht wird, wenn die Zahnschmerzen fast unerträglich geworden sind.

Vielfach schmerzfreie Behandlungsmethoden

Wir werden uns Zeit für ein Gespräch mit Ihnen nehmen, auf Ihre Ängste eingehen und Sie über die neuesten, vielfach schmerzfreien Behandlungsmethoden sowie unterschiedliche Narkosemöglichkeiten (Vollnarkose oder Sedierung mit Lachgas, jeweil in der Praxis) aufklären. Wir bemühen uns, eine Atmosphäre für Sie zu schaffen, die es Ihnen ermöglicht wieder Vertrauen zu fassen.

Behandelt wird erst, wenn Sie wirklich dazu bereit sind.

Zu dem Thema Zahnarztangst hat Herr Dr. Schneider fogenden interessanten Artikel für den Münchener Wochenanzeiger verfasst:

Die Angst vor dem Zahnarztbesuch – weit verbreitet und doch meist totgeschwiegen

Seit über 20 Jahren bin ich als Zahnarzt mit einer Praxis mit Praxislabor in Landshut tätig. Im Jahr 2010 habe ich am Flughafen München eine Zweitpraxis, ebenfalls mit eigenem Praxislabor, eröffnet.

Immer wieder muss ich erleben, dass Patienten, die schon Jahre oder sogar Jahrzehnte lang nicht mehr beim Zahnarzt waren, zu mir kommen. Sie kommen erst dann, wenn die Schmerzen im Mund bereits unerträglich sind. Leider sind die Defekte an den Zähnen und dem Zahnhalteapparat dann häufig schon so groß, dass es zum Zahnverlust kommt und aufwändige Behandlungen nötig sind.   

Der Grund für eine solche Vernachlässigung des Kauapparates ist in diesen Fällen immer die Angst vor den Zahnarzt selbst oder auch die Angst vor der Zahnbehandlung.

Grundsätzlich ist Angst vor Schmerz als wirkungsvoller Schutz vor Gefahren ja sinnvoll. Sie ist ein normaler Schutzmechanismus unseres Körpers. Die Schmerzverarbeitung findet immer in zwei Stufen statt. Erst wird der Schmerz erkannt, dann wird er vom Gehirn emotional bewertet.

Unser Körper tut sich mit der Schmerzlokalisierung und -bewertung  im Mund tatsächlich aber besonders schwer und reagiert entsprechend heftig auf Reize in der Mundregion. 

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Erkenntnisse der Schweizer Forschergruppe um den Radiologen Andreas Gutzeit. Durch Versuche konnte dargestellt werden, dass häufige Reize oder Schmerzen an verschiedenen Körperteilen, den Körper lehren, den Reiz zu lokalisieren und das Ereignis richtig einzuordnen. Das Gehirn wird im Laufe des Lebens durch Berührungen oder Verletzungen an verschiedensten Körperteilen also trainiert, Schmerzen und Empfindungen wahrzunehmen und richtig zu beurteilen. Reine Berührungen oder leichte Reize können durch Erlernen genau erkannt und als ungefährlich eingestuft werden.

Die Zähne machen sich aber erst dann bemerkbar, wenn sie wehtun. Das Gehirn ist daher unerfahren im Umgang mit der Schmerzlokalisierung und -verarbeitung im Mundraum. Hierin liegt auch der Grund für das häufige Phänomen, vermuten die Forscher, dass Patienten eine Zuordnung des Schmerzes zu einem gewissen Zahn oft nicht eindeutig möglich ist.

Der Neuropsychologe Mike Brügger von der Universität Zürich hat jüngst auch nachweisen können, dass bei keinem anderen Schmerzreiz das Angstzentrum im Gehirn so dauerhaft und stark aktiv ist, wie beim Zahnschmerz. Eine stärkere Repräsentation der Angst beim Zahnschmerz scheint spezifisch zu sein. Zahnschmerzen lösen also mehr Angst aus, als andere Schmerzen.

Nach alldem ist es nicht verwunderlich, dass bereits eine schlechte Erfahrung, vor allem im Kindes- oder Jugendalter, die Zahnarztangst auslösen kann. Auch überängstliche Eltern können Ihre Angst auf das Kind übertragen. Dann sollte lieber ein anderes Familienmitglied das Kind zum Termin begleiten. Ich rate immer dazu, das Kind zu Routineuntersuchungen oder Prophylaxe mitzunehmen und ab den ersten Zähnen regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt durchführen zu lassen. Auf Dauer kann nur der positive Umgang und viel Erfahrung mit dem Zahnarztbesuch die Angstentwicklung vermeiden.

Zur Verbreitung der Zahnarztangst gaben bei einer Umfrage des Forsa-Instituts aus dem Jahr 2009 44% der Deutschen an, dass sie sich vor einem Zahnarztbesuch fürchten. Leichte bis mittlere Zahnbehandlungsangst ist ein unangenehmes, aber auch normales und erklärliches Gefühl, das bei jedem Menschen auftreten kann. Man geht allgemein sogar davon aus, dass ca. 2/3 der Bevölkerung an einer Form der Zahnbehandlungsangst leiden. Wer also Angst vor dem Zahnarzt hat, muss sich nicht schämen und ist schon gar nicht allein!

Um der Angst Herr zu werden, ist eine regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt sicher das beste Mittel. Man sollte sich als Betroffener erst einmal klarmachen, ob die Angst von der Behandlung oder dem Arzt selbst auslöst wird. Ein Arztwechsel alleine kann auch bereits ausreichen. Wer vor der Behandlung Angst hat, wie meistens der Fall, der kann nur durch Konfrontation gegensteuern.

Die 1-2mal jährliche schmerzfreie professionelle Zahnreinigung und die jährliche Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt trainieren den Patienten die Angst ab. Keinesfalls sollte mit dem Zahnarztbesuch zugewartet werden, bis Schmerzen da sind. Nur positive Erlebnisse fördern das Vertrauen zur Zahnbehandlung und zum Zahnarzt.Gegebenenfalls kann auch bei Patienten mit leichteren Angstzuständen die Vorbereitung auf den Zahnarztbesuch mit einem Medikament, das oft in der Prämedikation vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen eingesetzt wird, sehr gut geeignet sein, um den ersten Zahnbehandlungstermin zu erleichtern.

Und noch ein Tipp: Wie das Apothekenmagazin „Senioren Ratgeber“ 2011 berichtete, folgt auch unser Schmerzempfinden einem gewissen Biorhythmus. Für manche Patienten kann es daher sinnvoll sein, den Zahnarzttermin erst auf den frühen Nachmittag zu legen. Zu dieser Zeit ist das Schmerzempfinden am geringsten. Auch die örtliche Betäubung soll dann besser wirken.

Allerdings kann man sicherlich nicht bei 2/3 der Deutschen von einer echten Zahnarztphobie, also der krankhaften Angst, sprechen. Es gibt auch Patienten, die der Angst ohne Hilfe nicht begegnen können. Bei echter Zahnbehandlungsphobie treten körperliche Symptome wie Muskelverspannungen, Schwitzen, Herzrasen mit Atemnot, Schwindel und Übelkeit auf. Die Betroffenen meiden jeden Zahnarztbesuch und empfinden bereits bei dem Thema Zähne körperliches Unwohlsein. Sie schämen sich für den Zustand des Gebisses und machen sich Vorwurfe. Die Phobie kann auch dazu führen, dass sich die Betroffenen vor Scham völlig sozial isolieren. An dieser Form, der echten Zahnarztphobie, leiden ca. 5%-10% der Bevölkerung.( „NHS Adult Dental Health Survey 2009“ in Großbritannien(12%!))

Das Ergebnis ist oft eine Verschlechterung des Gebisses, Verlust der Lebensqualität, Familienprobleme, gesundheitliche Schäden. Diese Patienten benötigen oft umfangreiche Sanierungsbehandlungen. Die Zahnbehandlung selbst kann dann in Narkose vorgenommen werden, bei der eine völlig schmerzfreie Rundumsanierung stattfinden kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Patienten nach diesem Termin schon die zweite Nachbehandlung ohne Narkose angehen können. Zur Erleichterung kann der Patient zu den nächsten Terminen auch mit einem angsthemmenden Medikament unterstützt werden.

Der Patient sollte in jedem Fall schon bei der Terminvereinbarung angeben, dass er unter starker Zahnbehandlungsangst leidet und wie lange er nicht mehr beim Zahnarzt war. Der erfahrene Zahnarzt kann sich dann auf den Patienten einstellen und erst später mit einer Behandlung beginnen.

Dass der Patient dem Arzt erst einen erheblichen Vertrauensvorschuss leisten muss, indem er überhaupt in die Praxis kommt, ist dem erfahrenen Zahnarzt bewusst, auch wie viel Überwindung es den Patienten gekostet hat, überhaupt zu kommen. Ich kann versichern, dass die Angst in den meisten Fällen einfacher loszuwerden ist, als der Patient es sich vorstellt.

Dr. Klaus Schneider